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  • Parkhaus Hirschgarten

Das Parkhaus „Am Hirschgarten“ bildet den neuen Auftakt zur Erfurter Altstadt Mit Haltung, Licht und Charakter

  • Die Fassade übernimmt mehrere Rollen zugleich: Sie belüftet, verschattet und prägt den Ausdruck des Gebäudes.

    Die Fassade übernimmt mehrere Rollen zugleich: Sie belüftet, verschattet und prägt den Ausdruck des Gebäudes.

  • Die Glasfassade, das „Schaufenster der Stadt“, beherbergt eine Kunstausstellung.

    Die Glasfassade, das „Schaufenster der Stadt“, beherbergt eine Kunstausstellung.

  • Die feinen, changierenden Farbtöne ergeben ein lebendiges Zusammenspiel von Wellen, Faltungen, Licht und Schatten. 

    Die feinen, changierenden Farbtöne ergeben ein lebendiges Zusammenspiel von Wellen, Faltungen, Licht und Schatten. 

An der Schwelle zwischen Altstadt und Löbervorstadt begrüßt ein neues Gebäudeensemble aus Hotel und Parkhaus die in Erfurt Ankommenden. Mit seiner Wellenfassade, die wie ein luftig bewegter Vorhang anmutet, klaren Linien und ruhigen Proportionen leitet das funktionale Parkgebäude aus der Enge der Altstadt in die Weite der Südstadt über.

Respekt vor dem Bestehenden

Das Parkhaus „Am Hirschgarten“ liegt am historischen Löbertor – benannt nach den Leder herstellenden Lohgerbern, den „Löbern“, die einst in der angrenzenden Vorstadt ihr Handwerk betrieben. Das Tor war ursprünglich Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung, wurde jedoch im 19. Jahrhundert abgerissen. Der Neubau sollte den lokalen Bezug bewahren und zugleich fester Bestandteil des städtischen Lebens werden.

„Der Ort blieb ein Eingangstor – nicht mehr aus Stein und Wehr, sondern aus Raum, Licht und Bewegung“, beschreibt Ottmar Stadermann von Stadermann Architekten die Vision hinter dem Entwurf. „Es ging darum, das Nebeneinander von historischen Strukturen und großmaßstäblicher Nachkriegsarchitektur zu versöhnen und dabei etwas Eigenständiges zu schaffen: Architektur mit Seele.“

Vermittler zwischen den Welten

Die umgebende Architektur stellte hohe Ansprüche an die Planung: „Die größte Herausforderung war der sensible Umgang mit dem Maßstab: Hier treffen eine zwölfgeschossige Plattenbauzeile, historische Altstadthäuser und ein hochfrequentierter Verkehrsraum aufeinander. Hinzu kamen topografische Unterschiede und strenge Brandschutzauflagen“, berichtet Ottmar Stadermann. „Gerade deshalb war uns die ruhige, gleichmäßige Fassadenstruktur des Hotels mit Unterlagerung und des Parkhauses so wichtig: Sie schafft Balance im visuellen Spannungsfeld.“ Das Parkhaus umfasst 15 Ebenen mit insgesamt 548 Stellplätzen – darunter 32 Ladepunkte für E-Fahrzeuge. Durch die zentrale Lage am Rand der Innenstadt sind der Domplatz und Erfurts beliebte Flaniermeile, der Anger, bequem zu Fuß erreichbar.

Gekonntes Spiel mit Licht und Schatten

Die vertikal gegliederte, wellenförmige Fassade des Parkhauses bildet den architektonischen Blickfang. Ihre unterschiedlich dimensionierten, nasenförmigen Lamellen sorgen für die dynamische Anmutung fernab jeglicher Hektik, lösen den großen Baukörper optisch auf und brechen mit seiner Massivität. Die farbige Struktur war von Beginn an Teil des architektonischen Konzepts und nicht nur Dekor. „Die sanft abgestuften Nuancen der vertikalen Lamellen reagieren subtil auf das Tageslicht. Im Morgenlicht erscheinen sie fast silbrig, am Abend warm und weich. Diese Wandelbarkeit war beabsichtigt – sie lässt das Gebäude atmen. Die feinglänzende, pulverbeschichtete Oberfläche verstärkt die Tiefe und lässt den ‚Metallvorhang‘ leicht erscheinen. Für mich bedeutet Farbe Bewegung – hier wird sie zum Mittel der Lebendigkeit“, bekräftigt Stadermann.

 
<p>Architekt Ottmar Stadermann</p>

„Das Parkhaus war nie nur Infrastruktur, sondern Teil eines lebendigen Stadtraums – mit Haltung, Licht und Charakter.“

Architekt Ottmar Stadermann

 

Weiche Haptik trifft exakte Nuancierung

Da höchste gestalterische Präzision gefragt war, kam für den Architekten nur Brillux infrage. Im intensiven Dialog mit dem Brillux Farbstudio wurden zehn Nuancen zwischen den hellsten und dem dunkelsten Farbton gezielt auf die Fassade abgestimmt und ausrezeptiert, um die perfekte optische Wirkung zu erzielen. Das Team von Brillux Industrielack stellte anschließend die individuellen Nuancen exakt für das gewünschte Pulverlackprodukt nach. Die Pulverlackbeschichtung verbindet technische Robustheit mit einer weichen, feinglänzenden Haptik. „Es war entscheidend, dass Farbe hier nicht aufgesetzt, sondern integraler Bestandteil der Architektur ist – und Brillux hat uns diesen Anspruch bis ins Detail ermöglicht.“ Damit war der gestalterische Rahmen gesetzt, innerhalb dessen auch auf die funktionalen Anforderungen eine klare Antwort gefunden werden musste. Die gefalteten Aluminiumprofile – intern nach ihrer Grundrissform auch „Nasen“ genannt – stellten den Lohnbeschichter dbo-GmbH in Bitterfeld vor eine besondere technische Herausforderung.

Die Bauteile mussten beidseitig beschichtet werden und verfügten über komplexe Innenwinkel. Hinzu kam die Erwartung absolut reproduzierbarer Oberflächen für die zwölf eng definierten Farbabstufungen. Die finale Lösung an der Fassade überzeugt funktional und gestalterisch. Ein Detail liegt Ottmar Stadermann besonders am Herzen: das 140 m lange „Schaufenster der Stadt“ im Erdgeschoss. Als transparente Zone soll es die Geschichte, Kultur und Zukunft Erfurts sichtbar machen. Zur Eröffnung wurde dort Thüringens längste Kunstausstellung präsentiert. Über 140 kreativ Köpfe der IMAGO Kunstschule e.V., vom Kindergartenkind bis zum Erwachsenen, haben unter dem Titel „Momenta pontis“, was so viel heißt wie „Momente der Brücke“, ihre ganz persönliche Sicht auf die Krämerbrücke, das Wahrzeichen der Stadt Erfurt, gestaltet: filigran, bunt, überraschend und voller Leben. „Abends, wenn die Fassade in sanftem Licht schimmert und die Glasflächen des Schaufensters leuchten, verschmelzen Stadt und Gebäude zu einem gemeinsamen Bild – genau das war die Idee von Urbanität mit Seele.“

Langlebigkeit trägt Nachhaltigkeit

Ökologische Überlegungen flossen selbstverständlich ebenfalls in die Planung ein. Die Dachfläche wurde zum Beispiel mit Gräsern und Stauden bepflanzt, die das lokale Mikroklima verbessern. Ergänzend entstanden ein Insektenhotel sowie eine Sandgrube für Wildbienen und Wespen. Neben den E-Ladepunkten bietet das Gebäude 68 Fahrradstellplätze, darunter auch Abstellmöglichkeiten für Lastenräder. Die offene Bauweise sorgt für eine natürliche Belüftung und eine effiziente Lichtführung. Nachhaltigkeit zeigt sich zudem nicht durch technische Additionen, sondern in der Materialqualität und einer präzisen Ausführung, die Langlebigkeit garantiert.

 
Parkhaus "Am Hirschgarten", Erfurt

Parkhaus "Am Hirschgarten", Erfurt

Objektdaten

  • Architekt: Stadermann Architekten PartG mbB, Niederorschel
  • Technische Beratung/Verkauf: Brillux Industrielack 
  • Bauherr/Nutzer: OFB Projektentwicklung GmbH - Niederlassung Erfurt
  • Generalunternehmer: Goldbeck Ost GmbH, Niederlassung Thüringen
  • Beschichtung: Alu-Fassadenelemente: dbo-GmbH, Bitterfeld
  • Farbgestaltung: Brillux Farbstudio Münster
  • Fotos: Christian Eblenkamp, Rietberg

Brillux Produkt: Premium-Polyesterpulver 5930
Brillux Scala-Farbtöne: 75.03.06 (hellster Farbton), 75.03.15 (dunkelster Farbton) und zehn dazwischen liegende, speziell ausrezeptierte Töne als Sonderanfertigungen